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19.04.2011  |  Newsübersicht



Türkische Jeans in Deutschland

Das Unternehmen aus Istanbul, das hinter der Marke Mavi steht, ist mit jährlich 7,5 Millionen verkauften Jeans und Exporten in 50 Länder einer der größten Jeanshersteller der Welt. Als erste türkische Modemarke hat Mavi in Deutschland Erfolg bei der breiten Masse der Bevölkerung und ist auch hier zum Arbeitgeber geworden.



Die Tochterfirma des größten türkischen Textilkonzerns Mavi Europe in Dietzenbach nahe Frankfurt am Main vertreibt Blue Denim, T-Shirts und Co. von Deutschland aus in ganz Europa. In den modernen Büroetagen arbeitet Kerstin Weis zusammen mit trendig gestylten Arbeitskollegen verschiedener Nationalitäten. Doch wer eigentlich woher stammt, „nein, das weiß ich nicht genau, und es macht eigentlich auch keinen Unterschied“, sagt Kerstin Weis, Key-Account-Managerin bei Mavi.

Junges, internationales Team
1991 gegründet ist Mavi inzwischen der türkische Marktführer junger Jeanswear für Männer und Frauen. Mavi ist in der Türkei einer der größte Einzelhändler mit über 80 eigenen Stores und 400 Partnerstores. Die Mavi Europe AG mit Sitz in Frankfurt wurde 1996 gegründet und beschäftigt heute über 42 Mitarbeiter – ein junges, internationales Team aus acht Nationen. Der deutsche Markt trägt mittlerweile rund 15 Prozent zum weltweiten Umsatz bei. „Wir sind stolz auf unsere türkische Herkunft, aber unsere Kunden sind nicht überwiegend türkisch", sagt Mavi-Marketingmanagerin Caroline Eva Meißner.

Gutes Arbeitsklima
Deutsche, die bei türkisch geführten Unternehmen in Deutschland arbeiten, gibt es viele – und es werden immer mehr. „Klar rufen manchmal Zulieferer an und können nur die türkische Sprache“, sagt Volker Göbel, der bei Mavi die Buchhaltung macht. „Dann stelle ich eben zu einem türkischsprechenden Kollegen durch.“ Statistiken und E-Mails schreiben alle ganz selbstverständlich auf Deutsch, Mails an die Firmenzentrale auf Englisch, und sobald ein deutscher Mitarbeiter dabei ist, wird Deutsch gesprochen – damit jeder alles versteht.

Türkische Arbeitgeber
Über 260 000 Arbeitsplätze haben die türkischstämmigen Firmen in Deutschland geschaffen. Reiseveranstalter wie Öger-Tours oder der Mode-Konzern Santex sind große Arbeitgeber. In den Städten haben sich türkische Ärzte, Rechtsanwälte, Finanzdienstleister und Unternehmensberater etabliert. Besonders im Marketing, in der Kundenberatung und in der Verwaltung türkischer Firmen arbeiten inzwischen jedoch häufig Deutsche. Dies hat das Zentrum für Türkeistudien (ZfT) an der Universität Essen ermittelt. 90 Prozent aller türkischen Unternehmen in Deutschland haben sowohl türkische als auch deutsche Kunden und 75 Prozent hauptsächlich oder zu einem großen Teil deutsche Zulieferer.
Jeder dritte Mitarbeiter von türkischen Chefs ist inzwischen Deutscher. „Damit übernehmen die Türkinnen und Türken zunehmend Verantwortung für die Sicherung von Arbeitsplätzen in Deutschland“, betont ZfT-Direktor Faruk Sen. Der Verband Türkischer Unternehmer und Industrieller in Europa (ATIAD) hat errechnet, dass türkische Unternehmen bis 2011 rund 300 000 weitere Arbeitsplätze in Deutschland schaffen werden – für Türken und Deutsche.

Herkunft spielt keine Rolle
Nina Jacobfeuerborn hat sich ganz bewusst bei einem türkischen Arbeitgeber beworben. Sie interessiert sich für die Türkei und deren Kultur, hat Türkisch gelernt, diskutiert mit deutschen und türkischen Kollegen über die verschiedensten Themen. Mit ihrem Chef Serdar Mazmanoglu, einer der Vorstände von Mavi Europe, steht sie vor Kleiderstangen voller Jeans in allen Blautönen und inspiziert die Ware. Die für die Firmen-Shops zuständige Managerin könnte sich mit ihrem Chef auch auf Türkisch unterhalten, doch das „spreche ich hier nur, wenn wir scherzen.“ Die Sprache fürs Geschäftliche ist Deutsch.

Marke etabliert
Mit dem Siegeszug der Marke Mavi bekam „Made in Turkey“ eine ganz neue Qualität. Heute zählen u.a. Kaufhof, Peek & Cloppenburg und die Galeries Lafayette zu den Kunden, sowie der klassische Jeansfachhandel. Insgesamt 1.500 Verkaufspunkte gibt es von Mavi Jeans in Europa. In Berlin und Frankfurt hat das Unternehmen eigene Flag-Ship-Stores eingerichtet. 800 000 Jeans werden jährlich aus der Europazentrale in Dietzenbach verkauft. Mavi ist die einzige türkische Fashionfirma, die auch mit einem türkischen Namen global expandiert. „Von null auf 20 Mill. Euro Umsatz in zehn Jahren“, zieht Mazmanoglu Bilanz – „nicht schlecht, oder?“



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