
Montag, 13.02.2012
13.07.2010 | Newsübersicht
Mittelstädte für Einzelhandel
Der Einzelhandel kann nach Ansicht der Standortexperten von GfK Geomarketing im Jahr 2010 vor allem in den Mittelstädten stabile Umsätze erwirtschaften. In den Städten mit 50.000 bis 100.000 Einwohnern lassen sich demnach überdurchschnittliche Umsätze erreichen.

Nach Berechnungen von GfK GeoMarketing wird der Umsatz 2010 im stationären deutschen Einzelhandel im Vergleich zu 2009 leicht sinken und ein Volumen von 388,1 Milliarden Euro erreichen. Das ergab die Studie „GfK-PoS-Umsatz 2010". GfK-Einzelhandelsexperte Olaf Petersen sieht aber trotz Wirtschaftskrise positive Entwicklungschancen für den Einzelhandel hier zu Lande: „Der deutsche Konsument agiert traditionell relativ sparsam. Insofern kann die Wirtschaftskrise hierzulande dem Konsum weniger anhaben, da die Menschen ohnehin schon nicht zu Käufen über ihre Verhältnisse neigten, die jetzt im europäischen Umfeld wie etwa in Spanien oder Großbritannien weg brechen."
Attraktive Mischung
Auch angesichts der voraussichtlich geringen Inflationsrate könnten die Einzelhändler demnach trotz des derzeit schwierigen wirtschaftlichen Umfelds auch 2010 noch passable Ergebnisse erzielen. Besondere Wachstumschancen sieht Petersen für viele Städte mittlerer Größe, die sogenannten Mittelstädte, die eine immer wichtigere Rolle im Konsumverhalten der Bevölkerung einnehmen: „Dank ihrer relativen Nähe bieten Mittelstädte bei guter verkehrstechnischer Erreichbarkeit eine attraktive Mischung aus Anbietern von Nahversorgung und einem Hauch von überregionalem Flair, was sich in weit überdurchschnittlichen Einzelhandelsumsätzen niederschlägt.“ Im Gegensatz zu anderen Städtegrößenklassen funktioniere dieses Anziehungsprinzip bei Mittelzentren in Ost und West vergleichbar gut.
Masse macht Umsatz
Die nach Umsatzvolumen führenden Standorte sind zumeist ein direktes Abbild der Einwohnerzahlen: Je größer eine Stadt und ihr Einzugsgebiet, desto mehr Umsatz. Betrachtet man also die absoluten „Point of Sale"-Umsätze (POS) auf Kreisebene, so liegen erwartungsgemäß die großen Metropolen an der Spitze. Neben den Großstädten schaffen es nur sieben einwohnerstarke Landkreise in die Top-20. Diese vereinen mit 92,7 Milliarden Euro bereits fast ein Viertel des gesamten POS-Umsatzes in Deutschland auf sich.
Erreichbarkeit und Angebot
Neben der Betrachtung des gesamten Umsatzvolumens eines Standortes ist für Einzelhändler ebenso entscheidend, ob es einem Standort gelingt, mehr Umsatz anzuziehen, als Kaufkraft vor Ort vorhanden ist. Erstellt man also ein relatives Ranking, indem man den Umsätzen die Anzahl der Einwohner entgegenstellt, so erhält man eine völlig andere Reihenfolge. Ganz vorne liegen nun eher kleinere Städte, vor allem aus Bayern, die aufgrund ihrer Zentrenfunktion für das Umland überdurchschnittliche Einzelhandelsumsätze erzielen. Auch der Erfolg der einwohnerstarken Kreise relativiert sich dadurch teils erheblich.
Erfolg der Mittelzentren
Wenn man die Gemeinden Deutschlands nach Städtegrößenklassen gliedert, treten weitere Strukturunterschiede zutage, die für den Erfolg von Einzelhandelsunternehmen entscheidend sind. So zeigt sich, dass es nicht die größten Städte sind, die im Verhältnis den meisten Umsatz generieren: In den Gemeinden mit mehr als 300.000 Einwohnern wird im Schnitt je Einwohner ein Umsatz erzielt, der nur 20,4 Prozent über dem Durchschnitt liegt. Damit wird diese Städtegrößenklasse geschlagen von den Städten zwischen 100.000 und 300.000 Einwohnern, die 26,9 Prozent über dem Durchschnitt liegen. Bemerkenswert ist auch der Erfolg der Mittelzentren mit 50.000 bis 100.000 Einwohnern: Dort wird 20,8 Prozent mehr Umsatz je Einwohner generiert als im Bundesdurchschnitt.
Westdeutschland führt
Diese Klassifizierung kann Olaf Petersen in einem Ost-West-Vergleich weiter differenzieren. „Es zeigt sich, dass im Vergleich der Städtegrößenklassen durchweg die westdeutschen Städte bessere relative Umsätze erzielen als die ostdeutschen.“ Trotz der wirtschaftlichen Angleichung in den letzten Jahren spiegele sich hierin vor allem die noch bestehenden Kaufkraftunterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland wider. „Zudem ist auch die urbane Struktur im Osten zu berücksichtigen, die wesentlich weniger dicht ist als im Westen Deutschlands. Es gibt dort schlicht weniger Großstädte und Mittelzentren. Den 17 Metropolen mit mehr als 300.000 Einwohnern im Westen stehen beispielsweise nur drei im Osten gegenüber."
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